Frauenring: Stopp beim Familiennachzug trifft vor allem Frauen

Am geplanten Stopp des Familiennachzugs haben verschiedene Expert*innen bereits menschenrechtliche Bedenken geübt – es ist vor allem auch eine Maßnahme, die Frauen trifft. „Über 90 Prozent der Menschen, die 2024 über den Familiennachzug nach Österreich gekommen sind, waren Frauen. In sehr vielen Ländern, wo Kriege herrschen, leben gerade Frauen unter schwierigsten Bedingungen – der Familiennachzug ist eine legale und sichere Alternative zur Flucht für sie. Wir verwehren uns dagegen, dass auf Kosten von Frauen rassistische Ressentiments geschürt werden“, sagt Klaudia Frieben, Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings.

Auch für eine erfolgreiche Integration sind Frauen besonders ausschlaggebend – somit profitieren langfristig gesehen alle vom Familiennachzug. „Migrationspolitik darf nicht zulasten von Frauen und ihren Kindern gehen. Wir fordern die Regierung auf, die geschlechterpolitische Dimension unbedingt mitzudenken“, so Frieben.

„Frauenrechte enden nicht an den Grenzen“, so Migrationsforscherin Judith Kohlenberger an der WU Wien und dem Österreichischen Institut für International Politik (oiip). Ohnehin sei der Zugang zu Asyl in Europa für viele Frauen aus Syrien und Afghanistan, aus dem Sudan oder Eritrea aufgrund gefährlicher Fluchtrouten und des Risikos von Gewalt, Vergewaltigung, Zwangsprostitution und Menschenhandel wesentlich schwieriger als für Männer. Nun auch noch das „einzige Instrument der legalen und sicheren Flucht nach Österreich“ auszusetzen und somit vielen Frauen die letzte Chance zu nehmen, nach Europa zu gelangen, ohne sich akuter Lebensgefahr auf dem Mittelmeer oder entlang der Balkanroute auszusetzen, sei „kurzsichtig und populistisch“, so Kohlenberger. Als Alternative bliebe vielen Frauen und ihren Kindern, die sich noch im Kriegsland oder in großen Flüchtlingslagern in den Nachbarländern befinden, nur die Schlepper, das Schlauchboot oder der Laderaum eines LWKs.

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